Lernhäuser an der Puschkinschule
Mit dem Konzept der Lernhäuser entwickeln die Pädagogen der
Puschkinschule eine organisatorische Struktur sowie deren inhaltliche
Ausgestaltung, die individuelles und gemeinsames Lernen stärker fördern soll.
Organisatorischer Rahmen der Lernhäuser
Zu einem Lernhaus gehören Kinder aus 4 Jahrgangsstufen. Geht
man von einer idealtypischen Verteilung aus, so sind das
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10
Kinder im Kurs 1,
-
10
Kinder im Kurs 2,
-
10
Kinder im Kurs 3 und
-
10
Kinder im Kurs 4.
Diese Kinder lernen in zwei Klassenräumen und erhalten
darüber hinaus die Möglichkeit zur Nutzung von Fachräumen und weiteren
Arbeitsflächen im Schulhaus.
Die Lernumgebung wird für die Kinder so gestaltet, dass sie
in zwei Räumen „zu Hause“ sind und diese
je nach Unterrichtsform und Fach nutzen können.
Den Kindern eines Lernhauses ist ein „Pädagogenkleeblatt“ zugeordnet, das aus
zwei Lehrkräften und zwei Erziehern besteht. Ergänzt wird dieses Pädagogenteam
durch eine weitere Lehrkraft, die stundenweise zur Verfügung steht. Die Kinder der Jahrgangsstufe 1 und 2 werden
am Nachmittag in der Gruppe von einer Erzieherin betreut, die Kinder der 3. und
4. Jahrgangsstufe können diese Form der Betreuung bei Bedarf ebenfalls nutzen
oder haben darüber hinaus eine Erzieherin, die ihnen während der offenen
Nachmittagsgestaltung als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht.
Immer zwei Häuser kooperieren miteinander und bilden ein
Doppelhaus.
Inhaltliche Arbeit
Kinder unserer Schule sollen sich zu einem Lernhaus
zugehörig fühlen und mit Kindern unterschiedlichen Alters gemeinsam lernen und
leben. Ihnen stehen mehrere Pädagogen zur Seite, die sie über ihre gesamte
Grundschulzeit hinweg begleiten werden.
Die Kinder werden in folgenden Formen der Jahrgangsmischung
lernen:
-
jahrgangsgemischte
Gruppen 1 / 2 und 3 / 4 ( z.B.
Fachunterricht)
-
jahrgangsbezogene
Kurse im Rahmen des offenen Unterrichtes
(10 Kinder pro Kurs, z.B. Einführung der Anlauttabelle Kurs1 oder
Einführung der schriftlichen Division Kurs 4)
-
jahrgangsbezogene
Kurse im Rahmen eines Doppelhauses (z.B. Schwimmunterricht Klasse 3 oder
Englischunterricht)
-
jahrgangsgemischte
Gruppen 1,2,3,4 vorwiegend im Rahmen des Grundunterrichtes während der
offenen Unterrichtsformen( z.B. Werkstätten, Lernen an Stationen, Lernstraßen, Wochenplan) und in
ausgewählten Lernsituationen (wie z.B. Lesezeit, Schreibwerkstatt,
Projekte usw.)
Die genaue Verteilung dieser Formen entwickeln die Teams der
Lernhäuser unter Berücksichtigung der jeweiligen Gegebenheiten sowie der
vereinbarten Standards. Ziel aller Formen ist es, Kindern eine reichhaltige
Lernanregung zu bieten sowie das Mit-
und Voneinander- Lernen stärker zu ermöglichen. Durch individuelle Förderung
jedes Kindes sollen alle Kinder so
erfolgreich wie möglich lernen und bestmögliche Ergebnisse erzielen können.
Wandertage,
Weihnachtsfeiern u.ä. werden im Haus
gemeinsam geplant und durchgeführt. Darüber hinaus wird es weiterhin
Schulveranstaltungen für alle Häuser geben. Dazu gehören z.B. das Sportfest,
Wettbewerbe und der Tag der offenen
Tür.
Stand_29102010
Didaktisch methodische
Begründung des Lernhausmodelles
Ziel der Lernhäuser
Lernhäuser sind der
organisatorische Rahmen, damit Kinder
noch besser individuell gefördert werden können.
Mit der Einführung der Lernhäuser sollen Kinder unserer
Schule in allen Jahrgangsstufen unter
Begleitung eines stabilen
Pädagogenteams über vier Jahre hinweg stärker individuell gefördert werden. Das fordern die Thüringer
Lehrpläne und der Thüringer Bildungsplan. Dazu soll- gemäß unseres Leitbildes -
die Jahrgangsmischung auf alle Jahrgangsstufen ausgebaut werden. Die bewusst
erweiterte Heterogenität der Lerngruppen stellt für uns eine zusätzliche
didaktische Ressource dar, die im Folgenden deutlich gemacht wird.
Begründung für die Schaffung von Pädagogenteams
Teamarbeit hat
Vorteile für Kinder und Pädagogen.
- Kinder
sind unterschiedlich und haben unterschiedliche Bedürfnisse. Das
gilt auch für den Umgang mit Bezugspersonen wie Lehrer und Erzieher.
Während einige Kinder starke, längerfristige Beziehungen zum Lernen brauchen, sind andere Kinder
in dieser Hinsicht weniger pädagogenorientiert. à
Wir bieten den Kindern die Möglichkeit, entsprechend ihrer
Bedürfnisse Beziehungen zu den
Pädagogen zu gestalten.
- Pädagogen
bringen sich mit ihrer Persönlichkeit in die Arbeit mit den Kindern
ein. Auch diese sind verschieden. Durch die Möglichkeit, jederzeit auf unterschiedliche
Persönlichkeiten aus dem Pädagogenteam zugehen zu können, à
erweitern wir den Erfahrungsschatz der Kinder und deren Handlungsmöglichkeiten.
- Teamarbeit
bei der Pädagogischen Arbeit stellt einen weiteren Aspekt zur Förderung
von Kindern dar: Multiprofessionelle Teams erweitern die
Fördermöglichkeiten für das Kind und tragen dazu bei, dass durch
unterschiedliche Sichtweisen auf ein Kind die Wahrnehmung des Einzelnen
angereichert wird. à Das Kind wird in seiner
Einzigartigkeit genauer erkannt und kann besser gefördert werden.
- Echte
Teamarbeit hat auch Arbeitsentlastung zum Ziel. Durch die Einführung von Arbeitsteilung
und Expertentum werden Pädagogen entlastet und können ihre Kraft noch stärker den Kindern zukommen
lassen
Begründung für den Ausbau der Jahrgangsmischung
Unterschiede
befördern Lernen
- Kinder
lernen sehr verschieden. Je reichhaltiger die Lernmöglichkeiten
geboten werden, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich für jedes
Kind ein Lernweg findet.
- Lernen
brauch vielfältige Anregung. Ob ein Kind eine Aufgabe bewältigt,
wissen wir erst, wenn das Kind Gelegenheit hatte, sich damit
auseinanderzusetzen.
- Kinder müssen die Möglichkeit haben, auf Aufgaben
höheren Niveaus zuzugreifen.
( Anregung: Zone der nächsten Entwicklung)
- Erfolg
macht stolz und schafft Motivation.
Durch jüngere Kinder erhalten ältere ihren Zuwachs verdeutlicht
(Reflexion) und können daraus Mut
und Motivation schöpfen.
- Lernen
erfolgt auch durch Erklären: Hier muss Wissen wiederholt, strukturiert und
versprachlicht werden. Damit wird Gelerntes vertieft und nachhaltig.
- Kinder,
die mit denen ihres Alters nicht Schritt halten können, benötigen mehr
Zeit, mehr Anschauung, mehr Übung
usw. Dieses sollen sie ohne
diskriminierende Maßnamen
erhalten können. Wenn Verschiedenheit Normalität in einer Gruppe
ist, kann auf unterschiedlichen
Stufen ohne Ausgrenzung gelernt werden.
- Selbst
wenn ein Kind nicht mit seinen Altersgenossen aufsteigen kann ( z.B. in
Klasse3) bleibt es in einem Gruppenverband,
den es zu einem großen Teil schon kennt.
- Vorbilder
helfen lernen. In Gruppen mit bewusst erhöhter Heterogenität setzt
sich ein hoher Anspruch durch: Verhaltensregeln, Arbeitsmethoden, Sprachmuster, Lieder und Rituale lassen sich leichter
transportieren und fördern lernen.
- Lernen
ist in erster Linie nicht Auswendigkönnen sondern Verstehen. Das
gilt für die Multiplikation so wie für den Bewegungsablauf eines
Buchstaben oder der Intension eins
Gedichtes. Nach dem Verstehen erst kommt das Trainieren / Üben (so es noch
nötig ist). Zum Verstehen gehört die Sprache. Wenn Kinder
untereinander reden, benutzen ihre Sprache, nicht die der
Erwachsenen, und können sich so oftmals die Dinge verständlicher machen.
- Lernen
braucht Kommunikation. Das Sprechen über Lernstoff, Lerninhalte
oder Methoden fördert alle
beteiligten Kinder. Die die Jahrgangsmischung begleitende Öffnung des
Unterrichts fordert und fördert die kommunikativen Fähigkeiten aller Kinder.
- Gruppen,
in denen Bewegung durch Weggehen und Hinzukommen andere gegeben ist, entwickeln ein stärkeres Maß an Gruppendynamik. Das
hat den Wechsel der Rolle eines Kindes zur Folge: Mal ein Anfänger, dann
schulerfahrener, mal Hilfe bedürftig, mal
Helfer, einmal Klassenclown immer Klassenclown muss nicht sein. Das
Wechseln der Rolle ermöglicht dem Kind vielfältige Erfahrungen, die seine
Entwicklung fördern, sein Selbstwertgefühl bestärken und seine soziale Kompetenz entwickeln.
- Lernen
brauch Vertiefung und Weiterbearbeitung des Gelernten. Durch das Wieder-aufgreifen
von Themen wenden sich die
Kinder einem Thema zu
verschiedenen Zeitpunkten der Grundschulzeit erneut zu und bearbeiten es unter dem gleichen/ neuen
Aspekten. Dadurch wird Wissen vertieft und erweitert. Das bahnt auch die
Einsicht an, dass man zu einem Thema nie fertig gelernt hat.
- Verschiedenheit
ist normal: Die Kinder erleben Unterschiede bei Menschen in ihren Familien und kennen dies aus dem
Kindergarten. Menschen mit Besonderheiten (Beeinträchtigungen,
Behinderungen) stellen für
sie zunächst kein Problem
dar. Auch unsere Gesellschaft
braucht Menschen mit unterschiedlichem Profil, Können und
Begabungen für unterschiedliche Berufe oder Aufgaben und ist verpflichtet,
alle Menschen zu integrieren.